Das Unternehmen “Monkeydick-Productions”

“Die einzig mögliche Revolution ist das Unternehmen, das die Wandlung der Individuen betreibt. Die Revolution als Angebot von Unternehmen.”

René Pollesch

Dieser Weg führt zu der Aktionsforschung “Monkeydick-Productions” die_aktionsforschung_monkeydick-productions

Wir über uns

Alle Menschen sind gleich. Allen Menschen steht es frei, individuell erfolgreich zu sein. Nimmt man beides zusammen, so ergibt sich das neoliberale Versprechen:

Jeder hat die gleiche Chance seines eigenen Glückes Schmied zu sein. Daraus ergeben sich sowohl ein theoretischer als auch ein praktischer Widerspruch:

Der theoretische Widerspruch liegt darin, dass die Grundlogik wirtschaftlichen Handelns darin besteht, Differenz zu erzeugen, um erfolgreich zu sein. Denn Erfolg ist keine feste Größe, sondern bemisst sich an dem Ausmaß an Differenzproduktion. Damit produzieren Menschen zwischen einander permanent Ungleichheit und haben nicht mehr die gleiche Chance, erfolgreich zu sein. Dieser Widerspruch wird im neoliberalen Denken durch das individuelle Aufstiegsversprechen harmonisiert: Der Einzelne kann seinen sozialen Ort durch persönliche Leistung individuell verändern. Individuelles Scheitern, soziale Ungleichheit und individueller Erfolg werden damit in die Sphäre der individuellen Verantwortung jedes Einzelnen verschoben. Am Gesamtgefüge ändert sich jedoch wenig.

Der praktische Widerspruch besteht darin, dass das neoliberale Versprechen in einer Welt ausgesprochen wird, in der die Menschen durch ihre alltäglichen Umgangspraktiken Diskriminierung, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit reproduzieren. Dadurch wird es für bestimmte soziale Gruppen ungleich schwerer, das neoliberale Versprechen für sich umzusetzen. Das Individuum kann keine Hilfe jenseits seiner aktuellen Verwertbarkeit erwarten und hat damit keine Garantie auf ein unversehrtes Leben. Damit ist es grundlegend marginalisiert, denn es befindet sich im unauflösbaren Widerspruch zwischen individuellem Scheitern und Erfolgsversprechen.

Unsere Arbeit besteht darin, diesen paradoxen Zustand aus- und aufzuführen. Die sichtbare Herstellung und Aufrechterhaltung von Ambivalenz ist damit unser Produkt. Deshalb lautet unser Claim: Performance of Performance. Wir sind quasi der Stachel im eigenen Fleisch. Dahinter steht die Annahme, dass ein sich selbst reproduzierendes System, welches sich seiner systemimmanenten Paradoxien bewusst wird, nicht mehr in der Lage ist, sich identisch zu reproduzieren. Dabei sind wir uns unserer eigenen Verwobenheit mit dem System durchaus bewusst. Unsere Form der Gesellschaftskritik ist somit immer mit einer Selbstkritik verbunden. Wir wollen erfolgreich sein. Dies aber nicht um den Preis des Ignorierens von daraus resultierenden Widersprüchen, sondern unter Verantwortung der Konsequenzen unseres Handelns. Im gleichzeitigen Auf- und Ausführen der Widersprüchlichkeiten eines jeweiligen Themas müssen wir damit unser teilweises Scheitern als konstitutives Element unseres Schaffens begreifen.

Wir individuell

Im Folgenden stellen wir Ihnen die tragenden Säulen von Monkeydick Productions vor. Darüber hinaus steht uns eine Reihe von freiberuflichen Mitarbeitern aus verschiedenen Fachrichtungen zur Verfügung. Durch das von Ruppe Koselleck (www.koselleck.de) geschaffene Familienporträt soll zudem unsere Zugangsoffenheit zum Ausdruck gebracht werden:

Lex Monkeydick (Conception & Consolation)

In unserem Unternehmen werden sie zu jeder Tages- und Nachtzeit jemand antreffen. Bei uns wird auch am Wochenende gearbeitet. Viele möchten wissen, wie wir unsere Mitarbeiter motivieren, ihre gesamte Zeit bei uns zu verbringen. Wir müssen nichts tun. Unsere kreativen Köpfe wittern auf diesem bunten Spielplatz ihre ganz große Chance. Bei uns ist alles stimulierend. Monkeydick Productions macht Spaß. Das Unternehmen ist ein Kommunikationszentrum, in dem permanent soziale Kontakte geknüpft werden.

Brucilla Monkeydick (Hostess & Hostage)

Ich bin ein Monkeydick. Seit fast eineinhalb Jahren arbeite ich als Hostess für Monkeydick Productions. Vom ersten Tag an habe ich gespürt, dass ich hier gut aufgehoben bin. Alle waren von Beginn an nett und freundlich zu mir und haben mir unterstützend unter die Arme gegriffen, wenn ich mal etwas nicht sofort verstanden habe. Ich lerne unglaublich viel und spüre, dass immer noch neue Herausforderungen auf mich warten. Ich verstehe mich gut mit meinen Kolleginnen und Kollegen, die Atmosphäre im Team ist super. Wenn es mal hart auf hart kommt, ziehen alle am gleichen Strang. Und wenn die CEO dann nach einem 14-Stunden-Tag mit uns in der Kneipe sitzt, dann weiß ich, wo ich hingehöre.

Hensel Monkeydick (Recruitment & Reclaiment)

Ich mag es nicht, wenn man mir auf die Finger schaut. Für unser Unternehmen, das führend in seinem Bereich ist, erstelle ich PR-Programme. Nebenbei erfahre ich, wie ich weiterhin an meiner fabelhaften Karriere werkeln kann. Ich möchte ganz hoch hinaus. Ich bin an der Ostseeküste aufgewachsen. Die Weite des Meeres war immer meine zweite Heimat. Wenn ich nachdenken muss, fahre ich immer noch zu ihm. Auch mein Hobby - das Klettern – besitzt immer noch einen hohen Stellenwert. Meine Leistung in unserem Unternehmen bekommt von Jahr zu Jahr mehr Gewicht. Mit Weiterbildungsprogrammen und Mentoring werden meine Entfaltungsmöglichkeiten gefördert. Ich habe das Gefühl, wieder auf der Universität zu sein. In den Nahen Osten möchte ich auch. Eventuell klappt es in diesem Jahr. Was niemand für möglich hält, auch die Gesundheitsvorsorge in unserem Unternehmen ist prima. Ich möchte Höchstleistungen bringen. Falls es doch eine Leistungsgrenze bei mir geben sollte, dann ist mir nicht bewusst, wo diese sein könnte und zu welchem Zeitpunkt sie erreicht sein sollte. Wahrscheinlich wird das niemals der Fall sein.

Taylor Monkeydick (Desire & Deconstruction)

Taylor Monkeydick mit ihrem Ressort Desire & Deconstruction hat vor zweieinhalb Jahren ein Kind bekommen. Als Total-Equality-Unternehmen haben wir ihr des öfteren Halbtagsstellen angeboten, aber da ihr klar war, dass man einen anspruchsvollen Job nur Vollzeit erledigen kann, hat sie immer dankend abgelehnt.

Lab Monkeydick (Science & Sensitivity)

Ich bin der Facilitator bei Monkeydick Productions. Ich richte meinen katalytischen Blick sowohl ins Innere des Unternehmens als auch nach außen. Da unser Unternehmen sämtliche Potentiale des Menschen anspricht, halte ich wie ein Naturfreund nach den noch marginal entwickelten Pflänzchen Ausschau und sorge dafür, dass sie kraftvoll erblühen können. Ich fange das menschliche Bedürfnis nach Authentizität und freier Entfaltung bedingungslos auf. Nach außen bedeutet dies die empathische Schaffung radikaler Anschlussfähigkeit von dem Ort aus, wo der Kunde gerade steht, und nach innen das gnadenlose Aufspüren ungenutzten strukturellen und menschlichen Freiheits- und Entwicklungspotentials zu unser aller Nutzen. Dabei fordere ich von mir selbst natürlich das Maximum. Ich könnte mir keine andere Aufgabe auf der Welt vorstellen, die mich so glücklich macht.

Friedel Monkeydick (Organization & Ostentation)

In meiner Rolle als CEO sehe ich mich nicht mehr als eine Art Schach-Großmeisterin, die machtvoll und einsam Mitarbeiter wie Spielfiguren auf einem Schachbrett hin- und herschiebt. Ich sehe mich eher als eine Leitfigur, die inspiriert und motiviert, und eventuell noch als Dirigentin. Mir gelingt es besonders gut, die Kreativität unserer Mitarbeiter hervorzulocken. Äußerst empfindlich reagiere ich auf autoritäres Verhalten oder unterdrückende Hierarchien. Denn ich bevorzuge kooperative, produktive Arbeitsverhältnisse. Ich möchte nicht dominieren, sondern wie der Mannschaftskapitän im Fußball eine Vorreiterrolle einnehmen.

Empire Monkeydick (Support & Suppuration)

Empire Monkeydick mit seinem Ressort Support & Suppuration ist überhaupt nicht an dem theoretischen Überbau unseres Unternehmens interessiert, sondern er ist für unsere technische Unterstützung zuständig.

Pan Monkeydick (Design & Dissipation)

Wir sind nicht kleingeistig, aber wir sind verantwortungsvoll. Wir peitschen uns gegenseitig zu Höchstleistungen hoch, auch in unserer Freizeit. Unsere Disziplin und Selbstkontrolle beruht nicht auf formalen Regeln. Wir unterwerfen uns nicht moralischen Regeln. Wir lassen uns nicht unseren Spaß regulieren. Wir fördern, was die Persönlichkeit bereichert. Alles, was wir von unserem Körper abverlangen, wirft gewissermaßen als Zusatznutzen eine selbstregulierende Leitlinie ab.